Im ersten Teil unserer Serie haben wir erklärt, warum wir Sonderlösungen im Schaltschrankbau schlicht Lösungen nennen. Diesmal geht es um eine Entwicklung, die wir in immer mehr Kundenprojekten sehen: Die Grenzen zwischen Maschinengestell, Steuerung, Schaltschrank und Maschinenverkleidung verschwimmen. Wer eine designtechnisch ansprechende und zugleich kosteneffiziente Lösung will, kommt um diese Verschmelzung nicht herum. Die Technik hat dafür ein Begriffspaar: Integralbauweise und Differentialbauweise.
Was bedeuten Integralbauweise und Differentialbauweise?
Die Begriffe stammen aus der Konstruktionslehre:
- Differentialbauweise: Ein Produkt entsteht aus mehreren einzeln gefertigten Komponenten, die durch Fügetechnik verbunden werden. Jede Komponente erfüllt eine Funktion – ein Teil trägt, ein Teil schützt, ein Teil verkleidet.
- Integralbauweise: Mehrere Funktionen und Bauteile werden in einem Produkt zusammengefasst. Die Konstruktionslehre nennt das Funktionsintegration: weniger Teile, weniger Fügestellen, weniger Schnittstellen.
Im Maschinen- und Anlagenbau sieht die Differentialbauweise in der Praxis so aus: Der Schaltschrank kommt aus dem Katalog, das Maschinengestell vom Stahlbauer, die Verkleidung von einem dritten Lieferanten. Drei Komponenten, drei Toleranzketten, drei Ansprechpartner – und an jeder Schnittstelle die Frage, warum nichts richtig zusammenpasst und aussieht wie aus einem Guss. Einen Überblick über die klassischen Bauarten von Schaltschränken gibt unsere Typen-Seite.
Integral gedacht: ein Produkt, das alles vereint
In der Integralbauweise gibt es diesen Dreiklang nicht mehr. Es gibt keinen Schaltschrank, keinen Sockel, kein separates Maschinengestell und keine angesetzte Verkleidung – sondern ein Produkt, das alles vereint: Das Gestell trägt die Maschine und nimmt zugleich die Steuerung auf, die Verkleidung ist keine Hülle um die Konstruktion, sondern Teil von ihr, und die Bedienebene sitzt dort, wo der Bediener sie braucht.

Was das konkret bringt:
- Design: Ein Produkt aus einem Guss statt sichtbar zusammengesetzter Komponenten. Gerade dort, wo Maschinen und Technik beim Kunden oder in der Öffentlichkeit sichtbar stehen – im Labor, in der Medizintechnik, am Point of Sale, in Aufzügen, an Ladesäulen sowie Ticket- und Bedienautomaten – verkauft das Äußere mit und wird Teil des Corporate Designs des Betreibers.
- Kosten: Jede eingesparte Schnittstelle spart doppelt: in der Konstruktion (keine Toleranzabstimmung zwischen Lieferanten) und in der Abwicklung – ein Angebot statt drei, eine Toleranzkette, eine Wareneingangsprüfung, eine Montage, eine Rechnung.
- Verantwortung: Ein Ansprechpartner für das gesamte Produkt statt Schnittstellenklärung zwischen drei Lieferanten.
- Technik: Durchgängige Konstruktion erleichtert EMV-Konzept, Kabelführung, Klimatisierung und Dichtigkeit – die Anforderungen werden einmal ganzheitlich gelöst statt dreimal an den Übergängen.
Und um es deutlich zu sagen: Genau das kann ein Serienschaltschrank nicht leisten – auch dann nicht, wenn man ihn bunt lackiert.
Warum das ein Fall für einen Systemanbieter ist
Integralbauweise setzt voraus, dass einer das ganze Produkt beherrscht. Wer nur Schaltschränke fertigt, denkt in Schaltschränken. Wer nur Gestelle schweißt, denkt in Gestellen. Wir fertigen seit 75 Jahren Gehäuse, Schränke und Blechlösungen – und sind als Systemanbieter nicht auf eine Komponente beschränkt: Unsere Konstruktion entwickelt das Produkt als Ganzes mit 3D-CAD/CAM, gefertigt wird in unseren drei Werken in Zentraleuropa – CNC-Stanzen und Laserschneiden, Kanten, Schweißen (inklusive Schweißzulassung für Bahntechnik nach DIN EN 15085-2), PU-Schäumung für Dichtungen, Oberflächenbehandlung und Eloxieren im eigenen Haus. Auf Wunsch übernehmen wir Bestückung, Verdrahtung, Lagerung und Direktversand. Gefertigt ab Losgröße 1 – das gilt auch für das integrierte Komplettprodukt. Zertifiziert nach DIN EN ISO 9001, UL und CSA.


Wo die Differentialbauweise weiter punktet
Integralbauweise ist kein Dogma, sondern eine Option, die man beherrschen muss. Die Differentialbauweise bleibt überall stark, wo Modularität gefragt ist: Anlagen, die wachsen, Schrankreihen, die erweitert werden, Bauteile, die im Servicefall getauscht werden. Mit unserem Portfolio an Unibox-, Uniflex– und Uniframe-Schaltschränken bietet die caleg group ein reichhaltig standardisiertes Baukastensystem von Klemmkästen, Wandschaltschränken oder Gestellschränken. Hier kann der Kunde beliebige Bauteilabmessungen mit individuellen RAL-Farben, Lochbildern, UL- und CSA-Zertifizierung ab Losgröße 1 bestellen.
Auch innerhalb eines Produkts entscheiden unsere Konstrukteure je Baugruppe: Ein geschweißter Korpus dichtet mit weniger Dichtungsebenen (bei uns regelmäßig bis IP66, höhere Schutzarten auf Anfrage), eine geschraubte Montageplatte bleibt tauschbar. Die Mischung beider Bauweisen – die Konstruktionslehre nennt sie Verbundbauweise – ist im Alltag die Regel.

Welche Bauweise passt zu Ihrer Anforderung?
- Maschine oder Gerät mit Anspruch an Design und Kompaktheit: Integralbauweise – ein Produkt, das Gestell, Steuerung und Verkleidung vereint.
- Sichtbarkeit beim Endkunden (Labor, Medizintechnik, POS, Aufzüge, Ladesäulen, Automaten): Integralbauweise – das Produkt wirkt aus einem Guss.
- Anlagen, die wachsen, Reihen, die sich erweitern: Differentialbauweise – das Gestell oder die Anreihung nimmt jede Erweiterung auf.
- Kostendruck bei komplexen Baugruppen: Integration prüfen – jede eingesparte Schnittstelle senkt Konstruktions-, Montage- und Logistikkosten.
Und wenn die Anforderung in kein Raster passt? Dann sind Sie beim ersten Teil dieser Serie richtig: Sonderlösungen im Schaltschrankbau – bei uns heißt das einfach Lösung.
Häufige Fragen zu Integral- und Differentialbauweise
Was ist die Integralbauweise?
Bei der Integralbauweise werden mehrere Funktionen und Bauteile in einem Produkt zusammengefasst (Funktionsintegration). Im Schaltschrankbau heißt das: Maschinengestell, Schaltschrank, Verkleidung und Bedienebene entstehen als ein Produkt statt als getrennte Komponenten.
Was ist die Differentialbauweise?
Bei der Differentialbauweise wird ein Produkt aus mehreren einzeln gefertigten Komponenten zusammengefügt, meist lösbar verschraubt. Im Schaltschrankbau ist das der klassische Weg: Katalogschrank plus Sockel plus Gestell plus Verkleidung.
Was ist der Unterschied zwischen Integral- und Differentialbauweise?
Die Integralbauweise fasst Funktionen in einem Produkt zusammen und reduziert Teile, Fügestellen und Schnittstellen. Die Differentialbauweise verteilt Funktionen auf separate Komponenten und punktet mit Modularität und Austauschbarkeit. Welche Bauweise wirtschaftlicher ist, hängt von Anforderung, Stückzahl und Erweiterungsbedarf ab.
Warum reicht ein Serienschaltschrank dafür nicht?
Ein Serienschaltschrank ist als eigenständige Komponente konstruiert. Gestell, Verkleidung und Bedienebene müssen angebaut werden, jede Schnittstelle bringt Toleranzen, Montageaufwand und einen sichtbaren Übergang. Eine integrierte Lösung konstruiert diese Funktionen von Anfang an in ein Produkt.
Was ist haltbarer: geschweißt oder verschraubt?
Beides ist bei richtiger Auslegung dauerhaft. Die Schweißkonstruktion hat Vorteile bei Leichtbau und Dichtigkeit, die Schraubkonstruktion bei Reparatur und Erweiterung. Innerhalb eines Produkts kombinieren wir beide Fügetechniken je Baugruppe.
Für wen lohnt sich die Integralbauweise?
Für alle, deren Maschine oder Gerät kompakt, designorientiert oder kostenkritisch ist: Maschinenbau, Labor- und Medizintechnik, Prüftechnik, Automatisierung. Wir prüfen innerhalb Ihrer Produktentwicklung, welche Funktionen sich integrieren lassen und was das gegenüber dem Komponenten-Einkauf spart.
Ihre Anforderung, unser Produkt
Sie planen eine Maschine und denken noch in Schaltschrank, Gestell und Verkleidung? Denken Sie gern in einem Produkt – wir konstruieren es. Schicken Sie uns Ihre DXF- oder STEP-Daten, Zeichnung oder Skizze: Wir prüfen die Machbarkeit, zeigen das Integrationspotenzial und melden uns kurzfristig.
Ihr Ansprechpartner: Volker Pätzold | vertrieb@caleg-group.de | Phone +49 3541 84 172
Bildnachweis für alle Produktfotos im Beitrag: caleg-group / Andreas Räsch (r2n).
